Mein Buch zu der CareChild-Aktion

von Khark am 8. März 2009 um 15:38 Uhr

Anmerkung:
Dieser Artikel trug erst den Namen: “CareChild – Negative Kritik nicht erwünscht?” da ich dachte mein kritischer Kommentar wurde bewußt nicht freigeschalten. Da sich dann aber im 2. Kommentar ein Moderator von CareChild gemeldet hat und mich auf eine Längenbegrenzung aufmerksam gemacht hat, habe ich den Namen geändert.
Eigentlich sollte er nun “Mein Kommentar zu der CareChild-Aktion” heißen, aber ich mag Selbstironie :-)
(Lest den 2. Kommentar)

Enno bloggte ja vor ein paar Tagen etwas über die Aktion der Kinderschutzorganisation CareChild. Diese hatte ohne großen Aufwand 20 Domains (Webseiten) in 48 Stunden, die auf der dänischen Kinderpornographie-Sperrliste gelistet waren, abgeschaltet bekommen.
Nun hatte ich meine Meinung dazu auch bei Enno als Kommentar hinterlassen, aber gleichzeitig diesen Kommentar auch am 5.3.2009 unter der entsprechenden News auf CareChild-Seite hinterlassen. Hinter dem Kommentar “Juristische Prüfung”.
Nun sind ein paar Tage vergangen, hinter dem Kommentar “Juristische Prüfung” sind andere Kommentare freigeschaltet und der Moderator/die Moderatoren haben sich sogar erlaubt einige Kommentare ihrerseits zu kommentieren.
Von meinem Beitrag fehlt aber jede Spur. Ich darf also davon ausgehen das man ihn nicht freigeschaltet hat. Wieso ist mir schleierhaft, will darüber auch nicht spekulieren.
Evtl. kann mir ja einer der Leser hier sagen, ob ich evtl. zu aggressiv, o.ä. geschrieben habe..

EDIT: Text nicht mehr relevant. Lest den 2. Kommentar.

Daher habe ich mich dazu entschlossen den ganzen Kommentar hier nochmal zu veröffentlich. Ich habe es mir einfach angewöhnt, wenn ich längere Kommentare schreibe, diese vorher in eine Textdatei zu packen.
Einfach weil Webapplikationen gerne mal einen Sessiontimeout, o.ä. haben und ich dann nicht alles neuschreiben muss.

Ich habe mir, nach dem Kommentar, erlaubt nochmal direkt zu schreiben, worum es mir geht. Und wo ich da die Parallelen sehe.
Ich finde es merkwürdig, das selbst so Geeks wie Enno und sogar Fefe! so ein Vorgehen bei Andrej Holm zum Kotzen finden und juristisch höchstbedenklich. Aber beim Thema Kinderpornographie die exakt gleiche Vorgehensweise dann gut finden.

Egal, erstmal: Der Kommentar.
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Sorry, so eine Aktion find ich hirnrissig.
Da will sich irgendeine tolle Kinderschutzorganisation prächtig im eigenem Glanze sonnen.

Und wie haben sie die Seiten identifiziert die man abschalten will?
Zitat:

“Vorher waren jedoch noch Hausaufgaben juristischer Art zu machen. Ein Zugriff auf die gesperrten Seiten kam nicht in Frage. Wie sollte also geprüft werden, ob sich überhaupt kinderpornografische Inhalte darauf befinden? Ein schnell dafür entwickeltes Programm konnte helfen. Es zog lediglich die HTML Seiten (den reinen Text) und prüfte auf Verfügbarkeit und dem vorkommen bestimmter Stichworte. Multimediainhalte (Bilder/Flash/Video etc.) werden dabei nicht heruntergeladen. Ein Stichworttreffer qualifizierte die Seite für den Test.”

Sorry, aber Seiten per Stichworttreffer abschalten ist genau so idiotisch wie die von der Frau Leyen vorgeschlagene Methode. Mich erinnert es zudem stark an die “Operation Himmel”. Die größte illegal durchgeführte Rasterfahndung in Deutschland. Hier ging es auch um Kinderpornogrpahie. Und wie erfolglos diese war ist ja nun bekannt. Auch wie viele Personen dadurch erheblichen Schaden davon getragen haben. (Job, Frau, Familie..)
Nach ihrer angewandten Methode können wir ja gleich bei Google nach “Terroristen” suchen und alle Seiten abschalten auf denen dieses Wort vorkommt.

Was sie, werte CareChild Organisation bei ihrer “juristischen Betrachtung” vergessen haben ist:
Beweisen Sie mal vor Gericht anhand von Stichworttreffern, das es sich tatsächlich um eine Kinderpornographieseite gehandelt hat.

Sicherlich standen die Seiten auf der Sperrliste und man kann somit davon ausgehen das eine Art Vorauswahl getroffen wurde.
Aber die ganzen Untersuchungen der publizierten Sperrlisten zeigen doch das gerademal 1-2% wirklich Kinderpornographie enthalten. Und diese Leute haben die Seiten immerhin direkt aufgerufen um 100%ig und ohne Zweifel festzustellen ob es sich dabei um Kinderpornographie oder einfach andere Seiten handelt.
Z.B. landen auf diesen Sperrlisten auch gerne Seiten die beschreiben wie dieses Sperrsystem funktioniert, wie man es umgeht oder sich einfach kritisch damit auseinandersetzen.

Ich wünsche Ihnen, das sie irgendeinem Einzelhändler mit so einer Aktionen seine Domain “unter’m Arsch” weggezogen haben und er sie für den Schaden haftbar machen wird.
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Erklärung:

Wir haben in Deutschland schon einen Fall wo ein Sozialwissenschaftler für einen Terroristen gehalten wurde. Bloss er die 2 gleichen Fachbegriffe (Gentrification und Prekarisierung) wie eine mutmaßliche Terrororganisation (die “militante Gruppe” oder kurz: “mg”) benutzte und irgendein achso schlauer BKA-Beamte durch eine Internetsuche feststellte, das Herr Holm die gleichen Begriffe benutzt.
Wieso auch nicht? Auf seinem Gebiet sind es übliche Begriffe. Der Normalbürger mag von diesen Wörtern nie etwas gehört haben, diese Person aber eben schon.

Ich vorliegenden Fall “Sperrliste + Stichwortsuche” kommt dies für mich auf exakt das gleiche heraus.
Den ich kann mir viele Wege vorstellen über die Seiten auf so eine Sperrliste kommen ohne Kinderpornographie zu sein.
Das dieses anscheinend ja der Fall ist zeigen ja auch die Relationen der gefundenen Seiten.

3.500 Seiten sind ca. auf der Sperrliste. Als Kinderpornographisch identifiziert mit ihrer Stichwortsuche hat CareChild gerade mal 20.
Das ist unter 1% und deckt sich immerhin mit meinen Zahlen im Kommentar, das 1-2% der Seiten auf so einer Sperrliste tatsächlich Kinderpornographie enthalten.
Aber ganz genau genommen schreibt CareChild gar nichts genaues zum Thema Zahlen.
Wieviele Domains insgesamte abgesucht wurden, Wieviele Seiten sie ermittelt haben und wieviele angeschrieben wurden. All das wird verschwiegen.
Aber so wie sich die Meldung liest, gehe ich mal davon aus, das man nur 20 Seiten gefunden hat.

Das sie aber nicht nicht über die gesamten 3.500 Seiten gesucht haben entnehme ich dem PDF.
Auf Seite 3 steht nämlich:

Es wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht von 20 willkürlich ausgesuchten Domains alle 20 auch Kinderpornografie, bzw. die entsprechenden Textpassagen, enthielten. Zur Prüfung wurde eine weitaus höhere Anzahl an Domainnamen aus der Liste geprüft, von denen letztendlich 20 übrig blieben. Daraus lässt sich wiederum keine Aussage ableiten, wie hoch der Prozentsatz an Domains auf der Liste ist, die tatsächlich Kinderpornografie enthalten. Dies wurde hier nicht untersucht.

Damit ist dann auch die Aussage von CareChild hinfällig, das ein Polizist in 8 Stunden 20 Seiten abschalten kann. Bzw. das man in einem Monat die halbe Sperrliste abschalten kann. Hier wäre dann eine Neuberechnung nötig. Und ich kann mir denken, das dieses Ergebnis dann erheblich schlechter ausfällt.

Ich denke mir bei den Zahlen folgendes:
Entweder ist die Sperrliste schlecht. Sprich: Wenn das Ausgangsmaterial (die Quellen) unbrauchbar sind, kann auch nicht vernünftiges Rauskommen. Wie in der EDV. “Kommt Mist rein, kommt Mist raus.” Ich hätte dort jedenfalls deutlich über 200 Treffer erwartet. (Über die gesamte Sperrliste!)

Oder aber: Schlechte Suchbegriffe. Sucht mal in einem für euch fremden Fachgebiet nach etwas ohne die Suchbegriffe zu kennen.
Die Ergebnisse die ihr bekommt werden garantiert nicht das sein, was ihr eigentlich sucht.

Was mich einfach stört ist, das ich ein wissenschaftliches, rechtsstaatliches Vorgehen erwartet habe.
Eine Stichwortsuche ist dies für mich jedenfalls nicht.
Daher kann ich zu der ganzen Aktion nur sagen: PR-Aktion.

Wenn man zudem das PDF-Dokument in der CareChild-Meldung gelesen hat, sollte einem klar werden, das diese Aktion ein Widerspruch in sich ist.
CareChild schreibt auf Seite 3, im ersten Absatz CareChild:

Die Mitteilung eines Providers, dass kein kinderpornografisches Material vorgefunden wurde, sollte dabei ohne weitere Nachprüfung akzeptiert werden, weil aufgrund der „schwachen“ Vorprüfung dies als glaubhaft auszulegen war.

Soso. “Schwache Vorprüfung” sagt CareChild zu seinem eigenen Vorgehen. Spätestens hier sollte man sich dann die Frage bzgl. der Dauer des Abschaltens so einer Seite zum zweiten Mal erneut stellen.

Den liebe Leute, vielleicht ist das der Grund warum da so schnell nichts passiert wenn der Staat das macht?
Seiten rechtlich einwandfrei vom Netz zu nehmen, ohne das hinterher die Geeks in Massen aufspringen und einheitlich “Überwachung! Totalisierung! Demokratieverlust!” schreien, das ist nicht so einfach.

Daher mein Aufruf:
CareChild rück die Beweise raus.
1.) Mit welchen Stichwörtern wurde die Liste durchsucht?
2.) Welche der 3.500 Seiten in der Sperrliste habt ihr durchsucht? Das es nicht alle waren schreibt ihr ja selber.
3.) Welche Domains wurden genau abgestellt und bitte zeigt die Antworten der Provider.

Frei nach dem wissenschaftlichen Prinzip der Nachvollziehbarkeit.
Den wenn ihr, werte CareChild, schon der Poltiik etwas vorwerfen wollt. Den verhaltet euch bitte nicht wie Frau von der Leyen selbst, sondern tragt objektiv zur Debatte bei.

13 Antworten zu “Mein Buch zu der CareChild-Aktion”

  1. xAndreasx sagt:

    Hmm, ich fand die Aktion eigentlich ganz in Ordnung, und sehe das Problem nicht wirklich:

    Eine Organisation(eine Person weisst einen Provider darauf hin, dass eventuell Kinderpornographie (oder Warez, oder was weiß ich) über eine bei ihm gehostete Webpräsenz erreichbar ist. Der Provider schaut dann nach (also nicht mit irgendner Stichwortliste, sondern richtig), ob diese Vorwürfe stimmen, und schaltet den Server / die Webpräsenz vorläufig ab. Wenn es nicht gestimmt hat, schaltet der Provider entweder die Seite nicht ab, oder er kann vom Betreiber der Webseite verklagt werden, sollte er sie abschalten obwohl alles legal war (er hat ja gegen seine AGB oder den Hostingvertrag verstoßen).

    Das Problem liegt also meiner Ansicht nach nicht bei den Methoden von CareChild (die ja absichtlich ineffizient sind, weil man nicht selbst nachsehen möchte, da man sich eventuell strafbar machen würde(?)), sondern wenn überhaupt bei den Providern, die eventuell ohne richtige Überprüfung eine Webseite / einen Server abschalten. Ich denke aber kaum, dass das ein Provider tun wird, und wenn muss er mit den Konsequenzen rechnen.

    Oder hab ich jetzt was generell missverstanden?

  2. CCMod sagt:

    Hallo,

    ich bin als Moderator auf der CareChild Seite tätig. Ein solcher Kommentar wurde zu dem Bericht (Sperrversuch) nicht veröffentlicht, weil er nicht eingegangen ist. Die Kommentarlänge ist auf 2000 Zeichen begrenzt, leider erhalten Sie eine Fehlermeldung nur durch eine eingeblendete , orangefarbene Zeile oberhalb der Eingabemaske. Dies ist leicht zu übersehen. Ich nehme an, dass sie deshalb irrtümlich davon ausgegangen sind, Ihr Kommentar werde nicht veröffentlicht obwohl er tatsächlich gar nicht übermittelt wurde.

    Senden Sie den Kommentar erneut, werde ich diesen zeitnah freischalten.
    Nur eine Bitte: es heisst “Kommentar” und nicht “Buch”, darum bitte auf 2000 Zeichen beschränken und wenn es gar nicht anders geht, halt 2 Kommentare setzen (mit 60 Sekunden Pause zwischen den Postings!)

    MfG

    CareChild Moderator

  3. Khark sagt:

    Hallo CCMod,
    erstmal: Ich rechne es Ihnen hoch an das Sie hier antworten.
    Die Begrenzung auf 2.000 Zeichen war mir nicht bewußt. Dies wird leider nirgends erwähnt. Weder unterhalb des Kommentarfeldes, noch in den Kommentarregeln.
    Eine Längenprüfung mit JavaScript findet ebenfalls nicht statt.
    – Mal so als Verbesserungsvorschlag :-)

    Ich kann ja einfach einen Link in ihrem Kommentarbereich zu diesen Artikel setzen.
    Dann sollte es keine Probleme geben.

    Nur eine Frage hätte ich dann doch: Wie sind Sie so schnell auf diesen Artikel aufmerksam geworden sind?

    Zu xAndreasx:
    Nein du hast da nichts falschverstanden.
    Mir geht es um folgendes: Die Aktion von CareChild sollte doch beweisen, das es ganz einfach ist KiPo-Seiten vom Netz zu nehmen. Sollte also der Politik eine lange Nase zeigen.
    Soweit ja noch ok. Mich stört lediglich die Art und Weise der Umsetzung.
    Den wenn man jemanden kritisiert muss man nach meiner Auffassung auch sagen wie es man besser machen würde.

    Willst du jetzt, das unser Staat nur aufgrund von Stichworttreffern Provider auffordert Seiten vom Netz zu nehmen?
    Und was ist, wenn der Provider zurückmeldet: Ähm, haben wir zur Kenntniss genommen. Machen wir aber nicht, da alles legal ist.
    Zudem wird es dann doch viele Provider geben die aus vorauseilendem Gehorsam die Seite abschalten, weil sie Sanktionen des Staates befürchten.

  4. Martin sagt:

    Ich finde die Aktion auch so ziemlich schwammig und stimme größtenteils mit deiner Meinung überein. Mal sehen, ob CC sich mit dieser Aktion nicht selbst ins Bein geschossen hat…

  5. MichiK sagt:

    Ich denke man muss da unterscheiden: Natürlich geht es nicht an, dass man aufgrund von Stichworttreffern den Provider verbindlich auffordert (im Sinne von “mach jetzt mal, ansonsten gibts Stress”), Seiten offline zu nehmen. Aber natürlich kann auch eine staatliche Institution, genau wie jeder andere auch, eine Mail an abuse@isp.tld schicken und schreiben: “Ich glaube, da ist was faul, schaut euch das mal an.”

    Der Provider würde sich das dann mal aus der Nähe anschauen und wenn es wirklich problematische Inhalte sind, auf eigene Verantwortung abschalten. Ohne Prüfung würde das vermutlich nicht passieren, denn ich glaube, ich wäre nicht der einzige, der seinem Provider gehörig auf die Füße tritt, wenn der einfach mit fadenscheinigen Gründen aufgrund externer Anschuldigung Seiten von mir offline nimmt, ohne auch nur zu prüfen, ob die Vorwürfe auch zutreffen.

    Worum es IMHO ging war: Man wollte einfach zeigen, dass man mit ein paar simplen E-Mails auch schon recht effektiv dafür sorgen kann, dass Kinderpornografie tatsächlich aus dem Netz verschwindet. DNS-Sperren sind dazu 1. nicht nötig und 2. auch nicht fähig, denn dadurch verschwinden die Inhalte ja nicht, sondern der Zugang wird nur leicht erschwert. Ich würde von einer deutschen DNS-Sperre nicht einmal was mitbekommen, weil ich keinen deutschen DNS nutze…

    Man kann von diesen Kinderschutz-Organisationen halten, was man will, aber die Aktion war gut, um mal deutlich zu machen, dass die Politik da mal wieder nicht nachgedacht hat und völlig am Ziel vorbei und außerdem weit darüber hinaus schießt.

  6. rob sagt:

    Ich finde die Aktion nicht besonders problematisch (sondern gut), obwohl ich ueblicherweise auch eher einer der Zensur!!1elf-Schreier bin.
    CareChild hat nichts abgeschaltet sondern den Providern Hinweise geliefert, welche von diesen zu pruefen waren. Mehr konnten sie aufgrund der Rechtslage ja nicht tun. Die Pruefung durch die Provider halte ich fuer rechtlich unbedenklich (IANAL). Sie “verschaffen” sich das Material nicht, da sie es sowieso bereits besitzen. Diesen Besitz ggf. beenden zu koennen muesste, nachdem sie darauf aufmerksam gemacht worden sind, ausreichen um es sich konkret ansehen zu duerfen/sollen/muessen. Auch bei falschem Alarm duerfte von Seiten des Kunden kein Problem bestehen, wenn es sich ja gerade um oeffentlich zugaengliche Webserver handelt. D.h. kein Provider (der nicht ganz besonders idiotische Mitarbeiter hat) wird irgend etwas abschalten, was er nicht konkret geprueft hat.
    Es bleibt also IMHO nur noch die Frage, ob er das Material juristisch korrekt beurteilen kann, denn selbstverstaendlich mag es Grenzfaelle geben, in denen eine Abschaltung einer nicht legitimen Vorverurteilung gleich kommt. Diese Frage ist aber unabhaengig davon wer warum welche Hinweise geliefert hat. Ich denke nicht, dass man hier verlangen sollte, dass Provider erst auf Gerichtsurteile warten muessen. Vielleicht koennte man verlangen, dass mit dem Kunden, welcher die Inhalte veroeffentlicht hat, Ruecksprache gehalten wird, damit dieser die Gelegenheit hat die legalitaet zu belegen. Aber auch das sollte ja relativ schnell moeglich sein (schneller zumindest, als dass ueberhaupt noch Seiten von diesen geleakten und vermutlich nicht topaktuellen Zensurlisten erreichbar sein sollten – will sagen: offenbar haben die Ersteller der Listen es gar nicht erst versucht, die Seiten entfernen zu lassen).
    Sollten unsere Strafverfolgunsbehoerden jetzt aehnlich vorgehen? Natuerlich nicht. Erstens haben die ja gerade den Auftrag, Straftaten zu bekaempfen, sind also auch befugt, fragwuerdiges Material zu pruefen und brauchen sich nicht auf solche Textanalyse-Kruecken zu verlassen. Und zweitens sollte es natuerlich solche Zensur-Listen ueberhaupt nicht geben, aber das ist ein anderes Thema ;-) Wenn die Polizei aber nach KiPo googelt, und wenn sie tatsaechlich was findet und dann den Provider auffordert, das vom Netz zu nehmen, dann seh ich noch nicht, wo es da ein Problem gibt.
    Schlecht waere natuerlich, wenn sie die Zensur legaler Inhalte erwirken wuerde, indem sie nur mit “Konsequenzen” droht, obwohl juristisch gar keine moeglich sind.
    Insgesamt trifft das aber alles nicht den Punkt der Aktion. Denn der ist in meinen Augen folgender: die Leute, die uns jetzt fuer alle verbindliche Zensurlisten aufdruecken wollen, sind entweder voellig inkompetent (dann sollten sie sich bitte erst mal schlau machen, bevor sie sich zu komplizierten Themen legislativ aeussern), oder aber sie sind eine Bande dreckiger Luegner, weil sie die (nun auch fuer den letzten Depp offensichtlich) wesentlich effizientere und effektivere Methode, den Kram naeher an der Quelle zu bekaempfen, nicht nutzen [wollen?], sondern uns statt dessen lieber allen die Freiheit beschneiden und uns noetigen wollen, ihnen blind zu vertrauen, obwohl sie und/oder ihre Kollegen nahezu taeglich aufs neue beweisen, dass sie dieses Vertrauen nicht verdienen. Und in dem Fall sollten sie alle zuruecktreten und sich schaemen.
    Amen.

  7. rob sagt:

    Ich moechte mich dafuer entschuldigen, dass ich trotz meines viel zu langen Kommentars jetzt sogar noch mehr labere, aber das erscheint mir doch noch wichtig: im Unterschied zum Fall Andrej ist die Sachlage hier vermutlich ziemlich leicht zu pruefen. Die CareChild-Leute haben es nur deswegen nicht getan, weil sie es nicht duerfen. Fuer die Leute, die Andrej & Anne das Leben schwer machen, ohne konkrete anklagewuerdige Dinge zu finden, waere es aber ueberhaupt kein Problem die mutmasslichen KiPo-Seiten legal zu ueberpruefen. Und sollte es sich dann z.B. um Blogs handeln, die die entsprechenden Worte verwenden, weil sie sich eben mit dem Thema auseinandersetzen, aber nicht, weil sie selbst illegales Material anbieten wuerden, dann wuerde das ja wohl mehr oder weniger sofort bemerkt werden und man koennte die entsprechende Seite abhaken. Hier ist der Zusammenhang zwischen Indiz (Stichwortliste) und Tat (Veroeffentlichung von KiPo) sehr direkt und vor allem unmittelbar nachweisbar. Was man von “Hey, er hat Gentrification gesagt!” => “Er ist Terrorist!” nicht gerade behaupten kann.
    Darum wird in dem einen Fall gemeckert und in dem anderen nicht.

  8. Holger sagt:

    Mich irritiert der Vorwurf bezüglich der Stichwortsuche. Es handelt sich hier ja schließlich nicht um beliebige Webseiten, sondern um die Liste von Webseiten, die nach dem Willen einer Regierung bereits blockiert werden, weil sie angeblich Kinderpornographie beinhalten. Wenn eine ausführliche Überprüfung dieser Behauptung (die durch die Stichwortsuche von CareChild natürlich nicht gegeben ist) zuviel Aufwand für eine Sperrung bedeuten würde, mit welchem Recht stehen diese Seiten dann überhaupt auf dieser Liste?

    Im Prinzip wäre gar keine weitere Überprüfung nötig gewesen. Das Staatsorgan, welches eine solche Zensur-Liste erstellt, könnte diese direkt benutzen, um bei den Providern die Abschaltung zu fordern, wenn es denn stimmen würde, dass diese Liste ausschließlich Seiten mit kriminellen Inhalten enthält. Stattdessen will dieses Staatsorgan, dass diese Seiten (unzureichend) geblockt werden. Das ist der springende Punkt.

    Welche zusätzlichen Überprüfungen CareChild unternommen hat, bevor es (als nicht-Staatsorgan) um eine Abschaltung gebeten hat, ist doch vollkommen unwichtig.

    mfg

  9. Khark sagt:

    Holger:
    Exakt, genau um den 1. Absatzvon dir geht es mir. Den genau so eine Überprüfung findet eben nur äußerst fahrlässig statt.
    Wie gesagt fallen nur ein paar Prozent (deutlich unter 5%) der Seiten auf so einer Sperrliste in die Kategorie Kinderpornographie.
    Und wenn dann noch jemand kommt, die Seiten genau so oder noch fahrlässiger untersucht und dann mit deinem “Resultat” protzt..
    Sorry.. Das kann ich nicht verstehen.

  10. mark sagt:

    @Khark:
    Ich finde die Vorgehensweise mit der Stichwortsuche nicht nur völlig in Ordnung, sondern sie ist das einzig Legale!
    Wenn ChildCare sich die Bilder und Videos angesehen hätte, wäre das schlicht nicht legal gewesen, sie hätten Probleme bekommen können (Stichwort: Jörg Tauss).

    ChildCare sagt auch nicht, dass sie gerne alle Seiten nur aufgrund der Stichwörter gelöscht haben würden. Es war lediglich die einzige Möglichkeit diesen Versuch einigermaßen legal durchzuführen. Er sollte lediglich darstellen, wie leicht sich Seiten entfernen lassen, und nicht, wie sich solche Seiten identifizieren lassen.

    Die Regierung, die ja auch die Sperrliste warten muss, hätte dagegen die Möglichkeit a) die Seiten sicher zu identifizieren und b) wie ChildCare zeigt, auch die Möglichkeit sie aus dem Netz verschwinden zu lassen.

    Nochmal: Es ist doch offensichtlich, dass es ChildCare in keinster Weise um diese Technik der Identifizierung per Schlüsselwörtern ging, sondern lediglich um den Beweiß, wie schnell sich Seiten löschen lassen.

    Ob die Ergebnisse con ChildCare eine wissenschaftlichen Prüfung standhalten, ist natürlich fraglich. Es ist jedoch nur ein erster Test, eine wissenschaftlich Prüfung gibt es bisher noch nicht. Der Test zeigt, es ist _möglicherweise_ deutlich einfacher solche Seiten aus dem Netz zu entfernen, als die Bundesregierung zugesteht. => Eine wissenschaftliche Prüfung des Sachverhalts mit Offenlegung der Ergebnisse tut Not. Dies kann aber niemand von ChildCare verlangen, ich denke auch eine unabhängigere Institution sollte das tun.

  11. Olli sagt:

    Deine Vorwürfe an Carechild wirken, als hätten die ein wenig nach KiPo-Bergriffen gegoogelt und dan wahllos Provider genötigt, irgendwelche Seiten vom Netz zu nehmen. Die Adressen wurden einer im Netz kursierenden Filterliste entnommen. Wenn diese authentisch und halbwegs aktuell ist, dann müßten alle Adressen bereits geprüft sein und zu Seiten mit Kinderporno führen.

    Die Einwände gegen diese Aktion sind also eher an die Ersteller der Sperrlisten als an carechild zu richten. Schließlich waren laut Rückmeldung der Provider einige Fehlalarme darunter.

    Meiner Meinung nach sollten damit lediglich Aussagen widerlegt werden, Filterlisten seien die einzige Möglichkeit, da man an die Seiten selbst nicht herankäme, weil die Provider auf Zeit spielen oder man sich langwierig mit der Polizei von Staaten in Verbindung setzen muß, von denen die meisten noch nie gehört haben.

    “Ich wünsche Ihnen, das sie irgendeinem Einzelhändler mit so einer Aktionen seine Domain “unter’m Arsch” weggezogen haben und er sie für den Schaden haftbar machen wird.”
    Das ist bereits durch die Sperrliste geschehen. Im Gegenteil dürfte für “irgendeinen Einzelhändler” ein Kipo-Stopschild schädlicher sein als ein “vorübergehend nicht erreichbar.

  12. Jauiman sagt:

    @Kharg
    Ich kann Dir nur im vollem Umfang zustimmen. Deine Fragestellungen sind absolut gerechtfertigt. Ich beschäftige mich erst seit heute mit diesem Thema. Ich habe einige Foren gelesen und mir die Debatte der Politik auf YouTube angeschaut und auf den Seiten des Bundestages die Petitionen gelesen.
    Dadurch habe ich gigantisch viele Meinungen mitbekommen. Aber eines hat mir gefehlt. Antworten, oder anders ausgedrückt Fakten zur Lösung.

    Ich bin grundsätzlich gegen die Lösung des Sporaden sperren von Internetseiten. Ich bin eher für das aktive Verfolgen der Kriminellen. Denn mir drängt sich ernsthaft die Frage auf, wer kontrolliert die Politik – bei erfolgreicher Gesetzesänderung – das nicht nur solche verdammenswerte Seiten verschwinden , sondern auch andere?

  13. Fakten zu den KiPo-Sperren [Update #7]…

    Die Debatte um die Internetsperren zur Bekämpfung der Kinderpornographie wird ja z.T. recht polemisch geführt und Fakten schon mal zurecht gebogen. Nun muss man sich ja nicht auf das Niveau der Bundesregierung herablassen. Ohne alles nochmal …